Aufbruch
in
die Demokratie

Eine Chronologie
wichtiger
Ereignisse in
Hamburg 1918/1919

1918

28.1.
28.1. – 1.2.1918

„Januarstreik“

Deutschland­weit fand ein Massen­streik der Arbeiter statt, im Rahmen dessen bessere Arbeits- und Lebens­bedingungen gefordert wurden. In Hamburg schlossen sich vor allem die Werft- und Metall­arbeiter dem Streik an.
Demonstration vor dem Hamburger Rathaus
Demonstration vor dem Hamburger Rathaus
20.4.
20.4.1918
Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.
Carl Wilhelm Petersen
Carl Wilhelm Petersen
20.4.1918
Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.

November­revolution
in Hamburg

5.11.1918
5.11.
5.11.1918

Versammlung in Hamburg

Erste Zeitungs­berichte erscheinen über die revolutionären Vorgänge in Kiel. In Hamburg entwaffnen Matrosen im Hafen Besatzungen der Torpedo­boote, besetzen den Elbtunnel und sichern das Gewerkschaftshaus.
Demonstration in Hamburg, Zeichnung von Hans Leip, 1918
Demonstration in Hamburg, Zeichnung von Hans Leip, 1918
Am Abend formuliert eine Versammlung im Gewerkschafts­haus jene Forderungen:
  • Sofortige Herbeiführung des Friedens
  • Rücktritt der Hohenzollern
  • Sofortige weitgehendste Demokratie im Reich und in den Bundesstaaten
  • Amnestie und sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten
  • Sofortige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Lebensjahr an
6.11.
6.11.1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht

Bürgermeister Werner von Melle und Senator Carl Petersen erklären die Bereit­schaft von Senat und Bürger­schaft, sich in den Dienst der „neuen Zeit“ zu stellen. Auf dem Heiligen­geistfeld findet eine Massen­kundgebung statt. Das Stell­vertretende General­kommando flieht aus Altona.
Nachrichten- und Presseabteilung des Arbeiter- und Soldatenrates, November 1918
Nachrichten- und Presseabteilung des Arbeiter- und Soldatenrates, November 1918
Die Leitung des Arbeiter- und Soldatenrates tagt im Hamburger Rathaus, November / Dezember 1918
Die Leitung des Arbeiter- und Soldatenrates tagt im Hamburger Rathaus, November / Dezember 1918
Die Bürgerschaft beschließt einstimmig die Errichtung des Arbeitsamtes

Dynamik
der Revolution

Der Funke springt
über

11.11.
11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.
Kriegsende
Dr. Heinrich Laufenberg und Wilhelm Heise, Vorsitzende des Arbeiter- und Soldatenrates
11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.
Das Alte und Morsche, die Monarchie ist zusammengebrochen! Es lebe das Neue; es lebe die deutsche Republik!”
Philipp Scheidemann, Sozialdemokrat
12.11.
12.11.1918

Vollständige Machtübernahme des Arbeiter und Soldatenrates

18.11.
Senat und Bürgerschaft werden für abgesetzt erklärt (letztendlich nur für 6 Tage), der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt vollständig die politische Macht. Die Exekutive der beiden Räte besteht aus je drei Vertretern der MSPD, USPD und der Links­radikalen sowie 18 Delegierte aus Hamburger Betrieben.
18.11.1918
Senat und Bürgerschaft werden wieder in ihre Befugnisse zur „Aufrechter­haltung der hamburgischen Verwaltung“ eingesetzt, da die Kredit­fähigkeit der Stadt in Gefahr geraten war.
30.11.
30.11.1918
Das neue Reichswahl­gesetz tritt in Kraft (Frauenwahlrecht, Verhältniswahl, Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre)
20.12.
Kleinwohnungsbau am Habichtplatz in Barmbek, 1925-29
Kleinwohnungsbau am Habichtplatz in Barmbek, 1925-29
20.12.1918

Beginn der öffentlichen Wohnbauförderung

Die Bürgerschaft beschließt ein Gesetz zur Förderung des Baus kleiner Wohnung mit öffentlichen Mitteln.

1919

1.1.
1.1.1919

Demonstration auf dem Heiligengeistfeld

Protestversammlung der MSPD, der USPD, KPD und der Hamburger Linksradikalen auf dem Heiligen­geistfeld gegen die Regierung. Auf der Moorweide findet gleich­zeitig eine von der SPD und den Gewerk­schaften veran­staltete Massen­kund­gebung für Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann statt.
Eine der Demonstrationen auf dem Hamburger Heiligengeistfeld
Eine der Demonstrationen auf dem Hamburger Heiligengeistfeld
7.1.

9.1.
7.1.1919
Aufhebung des Zölibats
bei Lehrerinnen.
9.1.1919
Die SPD und Gewerkschaften rufen zum Generalstreik am 11.1.1919 auf.
6.3.
6.3.1919
Mit dem Architekten Emil Maetzel, zugleich Künstler und Mitbegründer der Sezession, tritt eine treibende Kraft der Kultur­szene das Amt des Bau­in­spektors, eine Schlüssel­stellung innerhalb der Bau­verwaltung, an.
16.3.
Frau mit Flagge (Plakat), 1918
Frau mit Flagge (Plakat), 1918
16.3.1919

Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Erste gleiche, geheime, freie und allgemeine Wahlen eines Hamburger Parlaments. Ebenso erste Wahlen für Frauen auf Hamburgischer Ebene.
24.3.1919
Erste Sitzung der demokratisch gewählten Hamburgischen Bürgerschaft: Erstmals eröffnet eine Frau ein Parlament in Deutschland: Alters­präsidentin Helene Lange.
26.3.
26.3.1919
Nach dem Erlass von 135 Verordnungen durch den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat überträgt dieser wieder die politische Macht an Senat und Bürgerschaft.
26.3.
Werner von Melle (Postkarte)
Werner von Melle (Postkarte)
28.3.1919
Die neu zusammengesetzte Bürgerschaft wählt den neuen Senat. Werner von Melle wird anschließend zum Ersten, Otto Stolten zum Zweiten Bürgermeister gewählt.
1.4.
1.4.1919
Spatenstich für die Steenkamp-Siedlung, die erste Kleinhaus­siedlung im Altonaer Raum nach dem Ersten Weltkrieg. Der Garten­stadt­gedanke leitete den Entwurf.

Walter Gropius gründet in Weimar das Bauhaus, die wichtigste Schule für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.
Steenkampsiedlung, Geschäftshaus Ebertallee, ca. 1925
Steenkampsiedlung, Geschäftshaus Ebertallee, ca. 1925
7.5.
7.5.1919

Bürgerschaft beschließt Kleinhaus-Siedlung

Angesichts der großen Wohnungsnot beschließt die Bürgerschaft als Bauträger die vollständige Finanzierung einer Siedlung in Langenhorn mit 800 Kleinhäusern.
10.5.
Universität Hamburg
Universität Hamburg
10.5.1919
Eröffnung der Universität Hamburg
30.5.
30.5.1919
Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Neuordnung der Kunsthalle im Sinne des Reformkonzepts Alfred Lichtwarks abgeschlossen und damit der modernen Kunst in Hamburg ein wichtiges Forum geboten.
Hamburger Kunsthalle
Hamburger Kunsthalle
 
1.6.
1.6.1919
Gründung des Hamburger Sportvereins (HSV). SC Germania von 1887, Hamburger FC von 1888 und SC Falke von 1906 schließen sich zusammen
 
23.6.
23.-24.6.1919

Hamburger Sülzeunruhen

Auslöser des Aufstands war die Vermutung, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet wurden. Gewalt gegen Besitzer von Fleisch­fabriken brach aus und auf dem Rathaus­markt wurde ein öffentlicher Pranger aufgestellt. Es kommt zu einer Belagerung des Rathauses. Am 1.7.1919 marschieren Reichswehr- und Freikorps-Truppen in die Stadt ein, um die Unruhen zu beenden, obwohl sich die Lage beruhigt hatte. Durch das rigorose Vorgehen der Truppen kam es insgesamt zu 80 Toten.
 
28.6.
28.6.1919
Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet.
Mönckebergstraße, Bücherhalle und Löwenbrunnen
Mönckebergstraße, Bücherhalle und Löwenbrunnen
1.8.
1.8.1919

Antrag zur Umwandlung der Bücherhallen in eine öffentliche Einrichtung

1.10.
Die Bücherhallen, die 1899 von der Patriotischen Gesellschaft gegründet wurden, wurden Anfang 1920 zur Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)
 
1.10.1919
Zusammenschluss der Ortskran­kenkassen und weiterer Kassen zu Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg (AOK)
5.12.
5.12.1919
Versammlung der im Wohl­fahrts­bereich tätigen Sozial­demokrat­innen und Sozial­demokraten, in deren Folge im Februar 1920 die Arbeiter­wohlfahrt („Hamburger Ausschuss für soziale Fürsorge“) gegründet wird.

Damals und heute

Die Revolution von 1918/19 markierte eines der wichtigsten epochalen Ereignisse in der Geschichte Hamburgs. Es war ein umfassender Aufbruch in die Demokratie. Lesen Sie mehr über ihre Auswirkungen.
Zu den Errungenschaften