100 Jahre Frauenwahlrecht: Kampf um Gerechtigkeit

Die ersten Frauen im Hamburger Parlament

Frauenwahlrecht 100 Jahre

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht eingeführt. Die erste Wahl zur Hamburgischen Bürgerschaft fand am 16. März 1919 statt. Als sich Frauen in Deutschland das passive und aktive Wahlrecht erkämpft haben, lagen hinter ihnen schon jahrelange Anstrengungen und große Widerstände. Seither wurde viel erreicht, doch es ist noch ein langer Weg bis zur vollständigen Gleichberechtigung. Ein Blick zurück.

1891 nahm die SPD als erste politische Partei in Deutschland die Forderung nach Zulassung aller erwachsenen Frauen zum aktiven und passiven Wahlrecht in ihr Parteiprogramm auf. 1985 stellte die sie im Deutschen Reichstag den Antrag auf Einführung des Frauenstimmrechts. Auch die radikale bürgerliche Frauenbewegung setzte sich bereits Anfang des 20. Jahrhunderts für die sofortige staatliche Gleichberechtigung aller Frauen ein. 1902 gründete sie in Hamburg den „Deutschen Verein für Frauenstimmrecht“. Damit wurde Hamburg zur Hochburg der Frauenstimmrechtsbewegung. 

 Die gemäßigte bürgerliche Frauenbewegung (z. B. der Allgemeine Deutsche Frauenverein, ADF) vertrat hingegen zunächst die Meinung, dass Frauen erst nach einer Reihe von Pflichterfüllungen das Wahlrecht beanspruchen dürften. Nachdem die Vertreterinnen der gemäßigten bürgerlichen Frauenbewegung gesehen hatten, wie im Ersten Weltkrieg Frauen in allen wirtschaftlichen Bereichen die Männer ersetzen mussten, politisch aber weiterhin rechtlos blieben, setzten sie sich auch für das allgemeine und gleiche Frauenwahlrecht ein.

Internationaler Frauentag und Novemberrevolution bringen den Durchbruch

Für die Forderung nach dem demokratischen Wahlrecht war der Internationale Frauentag, der erstmals 1911 am 19. März begangen wurde, von großer Bedeutung. 

 Erst durch die Novemberrevolution 1918 erhielten die Frauen schließlich das Wahlrecht. Am 12. November 1918 veröffentlichte der Rat der Volksbeauftragten einen Aufruf an das Deutsche Volk, in dem es u. a. hieß, dass alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften fortan für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen sind. Damit war das allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht für beide Geschlechter eingeführt.

Der Einzug der Frauen ins Hamburger Parlament

Als am 16. März 1919 die Bürgerschaft gewählt wurde, durften erstmals auch Frauen wählen und gewählt werden. Siebzehn Frauen und 160 Männer zogen in die Bürgerschaft ein. Neun Frauen gehörten der SPD an, vier der liberal-demokratischen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), zwei zählten zur links von der SPD stehenden Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei (USPD) und jeweils eine zur national-liberalen Deutschen Volkspartei (DVP) und zur nationalistisch-konservativen Deutschnationalen Volkspartei (DNVP). Helene Lange, geboren 1848 und damals in Hamburg lebend, konnte als Alterspräsidentin die am 24. März 1919 erfolgte konstituierende Sitzung eröffnen und ihre neuen Kolleginnen im Parlament begrüßen.

Schritt zurück in Zeiten des Nationalsozialismus

Doch die Freude über das errungene Wahlrecht wich bald Ernüchterung, denn die Frauen blieben im Parlament in der Minderheit. Die Anzahl der weiblichen Abgeordneten lag bis 1933 zwischen sechs und zehn Prozent. Dann übernahmen die Nationalsozialisten die Macht. Den Frauen wurde das passive Wahlrecht entzogen. 1946, nach der ersten freien Bürgerschaftswahl nach der Befreiung vom Nationalsozialismus waren unter den 110 Abgeordneten wieder nur 17 Frauen. Und daran änderte sich auch in den nächsten 36 Jahren nicht viel. Der Frauenanteil im Parlament lag zwischen 11,7 % und höchstens 17,5%.

Aufschwung in den 80er Jahren

Erst 1986 stieg der Anteil der Frauen schlagartig an. Von den 120 Abgeordneten waren nun 40 Frauen, also 33,3%. Der Anteil der weiblichen Abgeordneten in der SPD-Fraktion stieg von rund 17% auf 32%, in der CDU-Fraktion lag der Frauenanteil etwas über 20%.  Die GAL trat 1986 sogar mit einer reinen Frauenliste zur Bürgerschaftswahl an. Die Kandidatinnen nannten sich die Wilde 13 und errangen damals 13 Mandate.

Wie sieht es heute, fast 100 Jahre später in Hamburg aus?

In der aktuellen Wahlperiode (2015-2020) der Hamburgischen Bürgerschaft sind die weiblichen Abgeordneten noch immer unterrepräsentiert:

Bürgerschaft Männer Frauen 5

Insgesamt sind von 121 Abgeordneten 45 Frauen, ein Anteil von 37%. Im neu gewählten Bundestag liegt die Quote mit 31% noch niedriger. Es bleibt also weiterhin viel zu tun!

TEXT
Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung
Bilder
Bild: Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung. Auftakt Jubiläumsjahr "100 Jahre Frauenwahlrecht".