Frauenbewegung in der Weimarer Republik

Auszug

1819 Pictos 4 Wahlen

Frauen wählen mit Begeisterung

Eine der wichtigsten Aktivitäten der Frauenvereine in Hamburg nach dem Übergang zur Republik war die Vorbereitung der Frauen, die erstmals wählen durften. Nun zeigte sich, dass die zentrale Organisation der Hamburger Frauen-Bewegung, der Stadtbund, auf die gemeinsamen Erfahrungen seit 1915 zurückgreifen konnte. Schon am 14. November 1918 gründete der Stadtbund den überparteilichen „Wahlwerbeausschuss Hamburgischer Frauenvereine“, der öffentliche Versammlungen für Frauen organisierte, in denen die Parteien mit ihren Programmen vorgestellt wurden. Ende November fand die erste dieser Veranstaltungen im Zirkus Busch statt, die von fast 7000 Frauen besucht wurde. Diese Aktivitäten, die in ähnlicher Form überall im Reich von Frauenvereinen oder Parteifrauen organisiert wurden, waren überaus erfolgreich. Die Wahlbeteiligung von Frauen war beeindruckend und sicher auch auf die Werbearbeit der Vereine zurückzuführen: 82,3 % der wahlberechtigten Frauen gaben im Reich ihre Stimme zur Nationalversammlung ab, in Hamburg waren es fast 91 %.

Derartige Ergebnisse blieben allerdings die Ausnahme, denn schon bald nahm das Interesse an Wahlen wieder ab. Insgesamt verlagerte sich die Werbung zu den Wahlen seit 1919 in die Parteien. Diese gründeten eigene Frauengruppen, die vor allen Dingen weibliche Mitglieder und Wählerinnen gewinnen sollten. An zweiter Stelle ihres Aufgabenkataloges kam dann die Ausformulierung der parteispezifischen Frauenpolitik.

Frauen in den Parteien

Es ist also kein Wunder, dass fast alle prominenten Frauen der Bewegung zum einen einer Partei ihrer Wahl beitraten, um dort die „Frauenarbeit“ voranzubringen, und zum anderen als Kandidatinnen fungierten. Die Parteien andererseits suchten auch nach bekannten Persönlichkeiten, die glaubhaft machen konnten, diese Partei sei besonders offen für die Anliegen der Frauen.

In Hamburg nahmen insbesondere die Vertreterinnen der dritten Generation der Frauenbewegung das Angebot der liberalen Parteien auf: Emmy Beckmann, Frieda Radel und Elisabeth Seifarth (1860–1933, Mitbegründerin des „Vereins Hamburger Volksschullehrerinnen“) wurden für die liberale Deutsche Demokratische Partei (DDP), Emma Ender für die rechtsliberale Deutsche Volkspartei (DVP) neben 13 anderen Frauen in die erste Bürgerschaft nach Ende des Krieges gewählt.

Diese Frauen nahmen die Themen ihrer Bewegung mit in die Bürgerschaft: Sie setzten sich auf allen Gebieten der Wohlfahrtspflege, in Fragen der Reglementierung der Prostitution, im Schul- und Erziehungswesen und in kulturellen Angelegenheiten für die Interessen von Frauen ein. Bertha Wendt (DDP), sprach 1921 erstmals den Wunsch aus, dass auch im Senat Frauen vertreten sein sollten – doch löste diese Rede nur Heiterkeit aus. Hier zeigte sich wieder, dass die Zulassung von Frauen zum Parlament an den zeitgenössischen Ideen über die Aufgabenverteilung der Geschlechter nichts geändert hatte: Soziale und kulturelle Arbeit war erwünscht, Positionen mit Machtbefugnissen standen dagegen weiterhin nur Männern offen.

Mit freundlicher Genehmigung des Hamburg-Geschichtsbuchs. Für eine Vertiefung des Themas, lesen Sie bitte auf der Seite Hamburg Geschichtsbuch weiter.

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Kirsten Heinsohn, Forschungsstelle für Zeitgeschichte Hamburg