Informationen zur Ersten Hamburgischen Bürgerschaft von 1919

Der Aufbruch in die Demokratie spielte sich auf diversen Ebenen ab, so auch in der Ersten Hamburger Bürgerschaft. Erstmals durften sich Frauen in die Bürgerschaft wählen lassen. Auch anhand der Berufe und fachlichen Herkunft der Mitglieder lassen sich große Unterschiede zur bisherigen Politik erkennen. 

Frauen in der Bürgerschaft

In der Ersten Bürgerschaft der Stadt Hamburg von 1919 waren erstmals Frauen vertreten. Auf 143 Männer kamen 17 Frauen. Vier Frauen stammten aus der DDP (von 33 Mitgliedern), eine Frau war in der DNVP (von 4), eine Frau in der DVP (von 13 Mitgliedern), neun Frauen in der SPD (von 82 Mitgliedern) und zwei Frauen in der USPD (von 13 Mitgliedern). In der CVP und im HWB waren keine Frauen vertreten.

Zur Wahl trat u.a. auch die Liste „Erwerbstätige Frauen und Mädchen“ an, die aber nicht genügend Stimmen erhielt.

Grafik Geschlechterverhältnis

Bildungsabschlüsse

Die Verteilung der Bildungsabschlüsse verdeutlicht die Öffnung der Bürgerschaft für größere Teile der Bevölkerung. Während die Bürgerschaft vor dem Krieg von Akademikern dominiert war, stellten diese nach 1919 nur noch gut ein Viertel der Abgeordneten. 

Nur 44 haben studiert oder eine Lehrerausbildung, davon 15 mit bekannter einfacher Promotion, zwei mit Promotion in zwei Fächern und ein Professor (Sieveking, DVP). Allein in der DVP waren Akademiker in der Mehrheit. 

116 Personen hingegen haben nicht studiert.

Grafik Bildungsabschlüsse

Verteilung der Berufe

Die Verteilung der Berufe ist bemerkenswert, weil sich darin eine sehr breit gefächerte fachliche und berufliche Herkunft der Bürgerschaftsmitglieder erkennen lässt. 

36 Personen stammen aus dem öffentlicher Dienst (LehrerInnen, Polizei, Zoll, Justiz etc.), 61 aus dem Dienstleistungssektor (JornalistInnen, Bürokräfte, hauptberufliche Verbands- und Gewerkschaftsfunktionäre etc.), 20 aus dem Handel und Transport (Kaufleute, kaufm. Angestellte, Transportunternehmen), 29 Industrie und produzierendes Gewerbe (FabrikarbeiterInnen, Tischler, Schlosser, Drechsler, Schmuckschmied etc.), ein Land- und Forstwirtschaft, zwei Kleriker (katholisch, lutherisch), drei aus Gesundheitsberufe (Ärzte, Hebammen, Pflegepersonal etc.).

Acht Personen hatten keine Erwerbstätigkeit, dies waren ausschließlich Frauen.

Grafik Berufe

Fraktionszugehörigkeit

Es fand eine Wahl im sogenannten Stadtgebiet, eine im sogenannten Landgebiet und eine Wahl in Cuxhaven statt. Die Ergebnisse wurden nach der Wahl zusammenaddiert. Verschiedene Listen aus beiden Gebieten durften sich nach der Wahl für zusammengeschlossen erklären und eine Fraktion gründen.

SPD und DDP gewannen in allen drei Gebieten, die DVP im Stadt- und im Landgebiet Sitze.

Der HWB war ein Zusammenschluss mehrerer Listen von verschiedenen Berufs- und Wirtschaftsverbänden.

Grafik Fraktionen

Dienstzeit in der Bürgerschaft

In der Ersten Hamburgischen Bürgerschaft sind viele prominente Namen zu finden. Jedoch war die Folgezeit durch politische Umwälzungen geprägt und der Nationalsozialismus setzte der jungen Demokratie ein Ende. Nicht nur aus diesem Grund fielen die Dienstzeiten vieler Bürgerschaftsmitglieder recht kurz aus, viele kehrten auch nach wenigen Jahren in ihren Beruf zurück. 

Drei Mitglieder waren insgesamt 30 Jahre oder länger in der Bürgerschaft. Sieben waren für 26-30 Jahre Mitglied, neun für 21-25 Jahre, 18 für 16-20 Jahre, 37 für 11-15 Jahre und 17 für 6-10 Jahre. Ein Großteil von 68 Personen war nur für 1-5 Jahre, d.h. höchstens 2 Legislaturperioden, Mitglied der Bürgerschaft. Vier Abgeordnete verstarben vor Ende der 1. Legislaturperiode, elf weitere traten vorzeitig zurück.

Grafik Dienstzeit

Wandel der Bürgerschaft 

Die Erste Hamburgische Bürgerschaft zeichnete sich dadurch aus, dass die Mehrzahl der Mitglieder 1919 neu in die Bürgerschaft gewählt wurde und Abgeordnete ersetzte, die noch nach den alten „Spielregeln“ gewählt worden waren und die das Kaiserreich überwiegend gestützt hatten. Dies half entscheidend, die Demokratie in der frühen Phase der Republik zu stabilisieren und zeigt deutlich den Umbruch, der durch die Revolution angestoßen wurde. 

Wandel Der Bürgerschaft
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Lars Frederik Köppen und Anna Symanczyk