Interview mit den Kuratoren der Ausstellung "Revolution! Revolution? Hamburg 1918-1919"

Sieben Fragen an Ortwin Pelc und Olaf Matthes

Welche Quellen standen Ihnen zur Verfügung und wo stoßen Sie als Historiker an Grenzen?

In Hamburg sind die Protokolle des Arbeiter- und Soldatenrats erhalten, zudem gibt es umfangreiche Akten der damaligen Behörden. Wichtig sind natürlich auch die Zeitungen, Flugblätter und Plakate. Besonders interessant sind Tagebücher und ein genaue Analyse der Fotos aus der Zeit. Schwierig ist es, bis in die mentale Befindlichkeit der Menschen vorzudringen, deren ganz unterschiedlichen Hoffnungen und Wünsche zu erfassen.

Sie haben im Ausstellungstitel hinter das Wort Revolution auch ein Fragezeichen gesetzt, war es überhaupt eine richtige Revolution?

In Hamburg fällt auf, dass die Institutionen aus dem Kaiserreich neben dem Arbeiter- und Soldatenrat weiter arbeiteten. Da kann man durchaus die Frage stellen, was hier in den Monaten von November 1918 bis März 1919 revolutionär war, was sich also grundlegend  in  der Stadt veränderte.

Was war im November 1918 in Hamburg anders als etwa in Kiel, Bremen oder in Berlin?

Obwohl Hamburg die zweitgrößte Stadt des Deutschen Reiches war, fanden die Veränderungen hier relativ unblutig statt und radikale Forderungen nach einer sozialistischen Räterepublik spielten auch keine große Rolle.

Wie viele Opfer forderte die Revolution in Hamburg?

Soweit wir wissen starben bei den Straßenkämpfen im November 1918 zehn Personen.

Was war das wichtigste Ergebnis der Novemberrevolution?

Sicher die Durchsetzung einer parlamentarischen Republik mit freien, gleichen und geheimen Wahlen und vor allem nun auch mit dem Frauenwahlrecht.

Was hat Sie bei der Recherche am meisten überrascht?

Dass es doch mehr Quellen zu den damaligen Ereignissen gibt, als die bisherige Forschung vermuten ließ und dass es auch zahlreiche aussagefähige Fotos aus der Zeit gibt.

Mit welchem Konzept wollen Sie in Ihrer Ausstellung dieses 100 Jahre zurückliegende Ereignis dem heutigen Publikum vermitteln?

Wir wollen den Besuchern eine attraktive Möglichkeit bieten, sich einerseits über die turbulente Entstehung der ersten deutschen Demokratie zu informieren, andererseits aber auch die Möglichkeiten und Grenzen zu diskutieren, wie sich damals die Bevölkerung gegen einen autoritären Obrigkeitsstaat und dessen Krieg auflehnte.