August 1919: Die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhalle entsteht

20 Jahre nach der Öffnung der ersten Bücherhalle entsteht die Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhalle

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Getragen von der Idee der Verantwortlichkeit des Staates für das Gemeinwesen sieht sich die Patriotische Gesellschaft am 14. August 1919 veranlasst, die rechtsfähige Stiftung privaten Rechts ‚Hamburger Öffentliche Bücherhalle‘ zu begründen, 20 Jahre nach der Eröffnung der ersten Bücherhalle in den Kohlhöfen, der fünf weitere im damaligen Stadtgebiet folgen, die allesamt erfolgreich sind und sich zeitgemäß auf einem hohen Niveau entwickeln. Das gilt besonders für die von Fritz Schumacher entworfene Bücherhalle an der Mönckebergstraße ab 1917.

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Eng im Raum - Erwachsenenveranstaltung (ca. 1925, Mönckebergstraße):

Wir gehen aus! Lesungen in der Bücherhalle sind in den 1920er Jahren etwas Besonderes. Heute ist die Konkurrenz durch Medien und andere Veranstalter groß.

Mit dem Leitspruch ‚Nützlich für Hamburg. Aktiv für die Menschen.‘ setzte sich die Patriotische Gesellschaft seit ihrer Gründung 1765 für das Gemeinwohl, für weltanschauliche Unabhängigkeit, selbstbestimmtes Handeln und das Thema Bildung ein. Diesen Gründungsimpuls der Patriotischen Gesellschaft spiegeln neben den Öffentlichen Bücherhallen auch die Hochschule für Angewandte Wissenschaften, die Hochschule für Bildende Künste, der Verein und das Museum für Hamburgische Geschichte und das Museum für Kunst und Gewerbe. In den nächsten 20 Jahren entstehen fünf weitere Bücherhallen durch die Patriotische Gesellschaft. Von Anfang an wird mit der Freien und Hansestadt Hamburg über eine Übernahme der Bücherhallen verhandelt. Eine finanzielle Förderung erfolgt bereits ab 1901 zunächst sporadisch und wechselhaft. Mit der Gründung der Stiftung werden die Bücherhallen zu einer öffentlichen Angelegenheit und sind auf laufende Zuwendungen angewiesen. Über die Gesellschaftsform wird bis in die 1990er Jahre immer wieder diskutiert, geändert wird sie nicht, denn sie passt zu Hamburg.

Die Bücherhallen entwickelten sich von Anfang an als Spiegelbild Hamburger Politik und Gesellschaft, moderne Prägung, frühe Gleichschaltung und Praxis in der NS-Zeit, Ausweitung des Systems durch das Groß-Hamburg-Gesetz ab 1937, Wiederaufbau in Sprüngen, Politisierung seit den späten 1960er Jahren, danach gehen Haushaltskonsolidierung und Modernisierung Hand in Hand

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Tempel an der Mönckebergstraße von Fritz Schumacher (1915):

Repräsentativ, aus Platzmangel nur Publikumsbetrieb. Dem Zeitgeist stets verpflichtet, auch die nationalsozialistische Praxis wird früh umgesetzt.

Die Geschichte der Bücherhallen ist auch eine Geschichte vom Entstehen und Vergehen von Orten und Räumen in den Stadtregionen. Allein zwischen 1997 und bis 2020 gibt es 60 Änderungen im Adressbuch der Bücherhallen – bei einer Halbierung der Einträge. Diese Entwicklung setzt lediglich die Tradition des Jahrhunderts davor fort: Unzählige Neuanfänge und Schließungen kennzeichnen das System. Nach 1945 sind die Bücherhallen auf 75 Standorte angewachsen, es folgen bis in die 1990er Jahre unzählige neue Provisorien und Verbindungen, zuerst mit Badeanstalten, Bürgerhäusern und später Einkaufszentren, aber es entstehen auch eindrucksvolle Solitäre. Trotz dieser sprunghaften und oft auch schmerzhaften Dynamik identifizieren sich die Hamburgerinnen und Hamburger mit ihren Bücherhallen. Das mag vor allem daran liegen, dass die Bücherhallen sich immer zeitgemäß präsentieren: mit ihren Beständen und Angeboten, in ihrer Möblierung und technischen Ausstattung und meist an den richtigen Orten – und wenn einmal nicht: Umzüge sind Routine. Heute sind die Bücherhallen Deutschlands größtes zusammenhängendes Öffentliches Bibliothekssystem – modern, innovativ, flexibel und äußerst leistungsfähig.

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Bücherhallen Hamburg - Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Bilder
Michael Zapf (Titelfoto), Bücherhallen Hamburg